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Mein langer Weg zum Gipfel

Summit – wir waren angekommen

Veronika R. Meyer hat eine künstliche Herzklappe und stieg trotzdem auf den höchsten Gipfel der Welt. Ein Abenteuer, das ohne das Gerinnungs-Selbstmanagement nicht möglich gewesen wäre.

Frühsommer 2007 – Eiger, Mönch und andere Eisriesen liegen hinter mir. Ich habe die höchsten Berge Europas, Afrikas, Ozeaniens, Süd- und Nordamerikas und der Antarktis bestiegen. Einer fehlt noch: der Everest. Dieser Sehnsuchtsberg brachte mich schon mehrmals an meine Grenzen und blieb doch immer der Gipfel meiner Träume. Bergsteigen ist meine große Leidenschaft. Aber was ist es, was mich da hochtreibt? Was lässt mich Anstrengung, Hitze und Kälte, Hunger und Durst vergessen? Was die Gefahr? Vielleicht kam ich ja nach meinem Großvater, der als Prediger einer Freikirche montags alleine auf die Gipfel der Berner Voralpen stieg.

„Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden."Johann Wolfgang Goethe, Dichtung und Wahrheit

Nach dem Chemiestudium trat ich als 23-Jährige meine erste Stelle am Technikum Burgdorf in der Nähe von Bern an, als bei einer Routineuntersuchung ein Herzfehler entdeckt wurde. Ich, einen Herzfehler? Ich konnte es nicht glauben. Aber es war so, die Diagnose lautete kombiniertes Aortenvitium. Das ist eine Veränderung an der Ausgangsklappe des Herzens, am Übergang zur Hauptschlagader. Es gibt Stenosen, sprich Engstellen, an denen sich das Blut staut. Und es gibt die Insuffizienz, wenn sich die Klappe nicht mehr vollständig schließt. Ich hatte beides, daher der Name kombiniertes Vitium. Es gibt schlimmere Herzfehler, aber eines war klar: Der Muskel wird durch die Belastung mit den Lebensjahren schwächer, und irgendwann würde ich eine neue Herzklappe brauchen. Bis dahin solle ich mich nicht übernehmen, rieten mir die Ärzte. Aber mein Gefühl sprach eine ganz andere Sprache: „Rauf, hoch, in die Berge, setz dich den Naturgewalten aus, entdecke und lerne bei jeder Tour etwas dazu.“ Wie könnte es sein, dass ich fürs Bergsteigen körperlich ungeeignet wäre, wo es mich doch so anzog? Ich entschied mich für das Gefühl und tauchte immer tiefer in die Bergwelt ein.

In Kursen zu alpiner Technik lernte ich die Grundkenntnisse: Anseilen, Abseilen, den Partner sichern, Stufen schlagen, Steigeisen gehen und vieles mehr. Dann kamen die ersten 3000er, dann die 4000er, die Top-Etage der Alpen. Auch beruflich entwickelte ich mich. Auf den Doktortitel folgte die Habilitierung, und mit dem ersten Auslandsaufenthalt kamen neue Ziele in den Bergen der Welt hinzu.

Viele Jahre konnte ich meine gesundheitlichen Probleme verdrängen, ich war ja fit. Gleichzeitig war mir klar, dass ich um einen Herzklappenersatz nicht herumkommen würde. Im Jahr 1997 entschied ich mich zur Operation, noch bevor der Herzmuskel dauerhaft geschädigt sein würde. Ich bekam eine mechanische Herzklappe und musste von da an blutverdünnende Medikamente einnehmen. Von der OP erholte ich mich schnell, doch die Besuche beim Hausarzt, bei denen regelmäßig die Blutgerinnung kontrolliert werden musste, empfand ich als einengend. Als mein Arzt mir vorschlug, ich könnte lernen, wie man die Messungen selbstständig durchführt, war ich sofort begeistert. Im Mai 1998 machte ich als eine der ersten Patientinnen in der Schweiz einen Kurs und erlernte das Gerinnungs-Selbstmanagement. Heute ist das Messgerät mein ständiger Begleiter auf all meinen Expeditionen. Es dabei zu haben, gibt mir Sicherheit und vor allem die Freiheit, hinauszugehen in die Welt.

Zurück zum Frühling 2007. Wieder stand eine Expedition auf den Mount Everest bevor. Ich war mittlerweile 56 Jahre, hatte eine künstliche Herzklappe und blickte bereits auf vier gescheiterte Versuche zurück. Zweimal Wetterpech und zweimal machten Erkrankungen den Aufstieg zum Gipfel unmöglich. Diesmal näherten wir uns dem höchsten Punkt der Erde von der Nordseite. Während der Akklimatisierung im Basislager auf circa 6.400 Metern Höhe nahm ich mir vor, meine Nervosität zu bekämpfen und dem Berg diesmal mit asiatischer Gelassenheit zu begegnen Den Aufstieg zum letzten Lager vor dem Gipfel auf 8.300 Meter schaffte ich fast mühelos. Ich fühlte mich wohl. Was würden die nächsten vierundzwanzig Stunden bringen? Doch dann entschied unser Führer: „Wir starten heute Abend um neun“. Mein erster Gedanke war: „Was, noch heute Nacht?“ Doch plötzlich überkam mich eine große Ruhe. Ich war bereit. Schritt für Schritt stiegen wir schweigend bis zum Second Step, einer der drei Felsstufen vor dem Gipfel. Es schneite, und es war dunkle Nacht. 40 Meter klettern am Second Step. Beim Third Step angelangt wusste ich, dass wir uns am Beginn des dreieckigen Schneefelds unmittelbar unter dem Gipfel befanden. Wir querten das bis zu 50 Grad steile Feld. Jetzt noch der Gipfelgrat und das letzte Stück des Aufstiegs, als unser Sherpa ganz leise, fast flüsternd sagte „Summit“. Wir waren angekommen.

Basierend auf dem Buch „Gaias Gipfel. Mein Weg vom Gantrisch zum Mount Everest“ von Veronika R. Meyer, erschienen 2011 im Appenzeller Verlag

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